Artikel mit dem angegebenen Tag "Norwegen"

Hinter den sieben Bergen

Hinter den sieben Bergen liegt nicht etwa das Haus der sieben Zwerge, sondern die norwegische Stadt Bergen, in der es angeblich immer regnet. Bergen schmiegt sich um eine Bucht in einem Labyrinth von Fjorden und Fjördchen. Viel Wasser und viele Berge jedenfalls. Eigentlich erstaunlich, dass hier an diesem gut versteckten Ort eine derart reiche Stadt entstanden ist. Damals im Mittelalter. Heute kommt man mit dem Express Boot oder der Bergenbahn nach Bergen. Damals mit Ruder- und Segelschiffen, beladen mit Stockfisch und später mit Waren für den hanseatischen Handel. Pelze und Wachs gegen Butter, Getreide, Vieh und Fisch.

Mehr

Musik liegt in der Luft

Das Getümmel ist auf der Karl Johans gate, die Einkaufsstraße von Oslo. An einem Ende ist der Hauptbahnhof am anderen der Königspalast. Dazwischen, wie es sich für eine Einkaufsstraße gehört, Shops, Cafés, Kneipen. Viele Leute sind unterwegs. Definitiv einige Touris, viele Freundegrüppchen, ambitionierte Shopper, gelassene Flaneure. Und alle paar 20 Meter Straßenkünstler. Straßenmaler, Solomusiker, Comedians, Bands, Panflötenspieler aus den Anden (na klar), Artisten, lebende menschliche Statuen. Für jemand, der auf der angeblich längsten Einkaufsstraße Deutschlands wohnt (Marktstraße Oberhausen jaha! ) gibt es auf der Karl Johans gate auf jeden Fall viel zu sehen. Ich fande es angenehm.  Die Straße lebt, das finde ich gut. Bedrückend fande ich allerdings die vielen Bettler dort. Viele platzieren sich in die Nähe der beliebtesten Acts auf dem Pflaster und hoffen, dass auch für sie ein paar Kronen übrig sind.

Trotzdem. Es ist schön dort. Gibt es hier im Ruhrgebiet überhaupt eine Straße, in der nicht nur der Konsum, sondern auch die Kunst im Vordergrund steht? Mir fällt da nichts ein. Da ich nicht zum Einkaufen in Oslo war, fande ich es großartig auf dieser Straße von einer Show zur anderen zu gleiten.

Foto: Klaudia Pirc // Karl Johans gate in Oslo, Norwegen // CC BY-SA

Zwischen der Karl Johans gate und dem Hafen am Rathaus und Aker Brygge ist kaum was los. In Aker Brygge ist ein großes Einkaufzentrum, dass aber architektonisch ausnahmsweise kein Schlag auf’s Auge ist, weil viele alte Gebäude der ehemaligen Industriefläche umgewandelt wurden. Und ein weiterer Pluspunkt ist die Promenade mit zig Restaurants direkt am Oslofjord. Da wo der blaue Blub ist, saßen wir und haben ein, zwei erfrischende Biere mit Blick auf den Fjord genossen.
Oslo auf einer größeren Karte anzeigen

Foto: Klaudia Pirc // Oslofjord, Norwegen // CC BY-SA

Der rote Blub ist das Opernhaus Oslo. Und es ist großartig. Ich zitiere jetzt mich selbst, indem ich wiederhole, was ich schon bei flickr geschrieben habe:
Ein großartiges Gebäude. Konzipiert vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta und 2009 mit dem Mies van der Rohe European Architecture Award ausgezeichnet.

Mein Herz schlug mal sehr für Architektur und hier fing es wieder an zu pochen. Innen wie außen ein Erlebnis. Und ich fande es großartig, dass das Opernhaus für neugierige Besucher auch tatsächlich geöffnet war. Die Wand und Bodenoberflächen sind so vielfältig. Überall bleibt das Auge hängen und trotzdem ist das Haus an Schlichtheit nicht zu überbieten. Sogar die Toiletten sind einen Besuch wert.
Aussen kann man ebenfalls nahezu alle Ebenen und Schrägen begehen. Man sieht auf dem Foto, dass das durchaus sehr viele Leute tun. Auch wenn ich Orte mit etwas mehr Patina meistens schöner finde, fande ich das Opernhaus absolut faszinierend. Dekoriert mit Oslofjord und dicken Wolken ist dieser Ort schon was Besonderes. Auch Nachts.

Foto: Klaudia Pirc // Opernhaus Oslo, Norwegen // CC BY-SA

Warum ich wieder nach Oslo reisen würde:
1. weil ich eine kurze, aber schöne Zeit dort verbracht habe
2. weil ich gerne das Kon Tiki Museum besuchen möchte. Das Museum beherbergt viele originale Fahrzeuge/Boote und andere Gegenstände der Expeditionen des Wissenschaftlers und Abenteurers Thor Heyerdahl. Zum Beispiel das Floß Kon Tiki, mit dem er den Pazifik von Südamerika nach Polynesien überquerte, um zu beweisen, dass die Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus möglich war. Ich habe die Bücher zur Kon Tiki und zur Ra Expedition gelesen und bewundere Heyerdahl sehr für diese Art von Experiment.
3. weil ich gerne das Fram Museum besuchen möchte. Dort ist das “stärkste Holzschiff” der Welt ausgestellt. Die Fram ist ein Schiff, mit dem drei Polarexpeditionen durchgeführt wurden (Nansen, Sverdrup, Amundsen).
4. weil ich gerne die Mini Bottle Gallery besuchen möchte.
5. weil ich ein Konzert in der besten Kneipe der Stadt erleben möchte. Wer einen Tipp hat, her damit :)

Zur Unterkunft:
Das Hostel Sentrum Pensjonat in Oslo liegt ziemlich zentral nur ca 300 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Hier hatten wir am Anreisetag noch das letzte Doppelzimmer erwischt. Es ist ein Hostel und da muss man die Ansprüche nicht hochschrauben. Aber im Ganzen war es doch ziemlich abgeranzt. Auf allen Etagen waren Toiletten, aber nicht jede war auch kombiniert mit funktionierendem Waschbecken. Die Duschkabinen (insgesamt 5 ) fande ich ok, wir haben allerdings schon gegen 6 Uhr morgens das Hostel verlassen, sodass wir wahrscheinlich die Ersten waren, die sie betreten haben. Immerhin, es gab kostenfreies WLAN. Wir hätten uns DVDs ausleihen können und Handtücher gab es auch.

Die letzte Nacht während der Tour haben wir im Hotel P übernachtet. Ein Budgethotel ohne Schnickschnack, aber sauberen Betten, Fernseher (wer’s braucht ;) ), kostenfreiem WLAN, eigener Toilette und Dusche und ebenfalls sehr zentral gelegen. Wir haben in Bergen 2 Nächte und in Oslo eine Nacht dort gebucht und es war okay.

Alle Beiträge dieser Norwegen-Reise:

Reisen til Norge
Ins Land der exzentrischen Os
Musik liegt in der Luft
Hinter den sieben Bergen

Dieser Beitrag ist ursprünglich am 30. Juli 2009 auf meinem Blog knospenspringen erschienen.
Mehr

Ins Land der exzentrischen Os

Jetzt, wo ich mich gerade eineinhalb Wochen nach meiner Rückkehr doch dazu durchgerungen habe, den Rucksack endgültig komplett auszuräumen und im Schrank zu verstauen, dachte ich, wäre der richtige Zeitpunkt ein wenig über meine Norwegen-Tour zu berichten.

Kurz die groben Fakten:
Reisezeit: 11.7. bis 19.7.
Stationen: (Weeze – Torp) – Oslo – Finse – Geiteryggshytta – Steinbergdalen – Østerbø – Vassbygdi – Flåm – Aurland – Bergen – Oslo – (Torp – Weeze)
Fortbewegung: Flugzeug, Bus, Zug, zu Fuß, Speedboat

In erster Linie, wollte ich Norwegen, um das Wandern auszuprobieren. Ich wollte sehen, ob das was für mich ist und ich kann schon vorab verraten: Ja, das ist es! Norwegen sollte es sein, weil ich erfahren habe, dass selbst zur Hochsaison die Wanderstrecken ziemlich menschenleer sind, zudem die Landschaft spektakulär schön und ausserdem die Wanderrouten vom norwegischen Wanderverein sehr gut gepflegt, also bestens ausgeschildert sind.

Mein Laufbuddy und langjähriger Freund des Hauses wollte gerne mitkommen, um während der Wanderung seine neuen Wanderstiefel für seine Bergbesteigung im August einzulaufen. Diesen Wunsch konnte ich nicht abschlagen, zumal ich somit auch noch einen erfahrenen Wanderer an meiner Seite hatte.

Ich habe mir am Tag vor der Abreise beim Twittagessen in Essen einige irritierende Chaos- und Horrorszenarien bezüglich Ryan Air zu Gemüte geführt und auch selbst meine Hören-Sagen-Geschichten zum Besten gegeben. So standen wir also am Flughafen Weeze. Relaxed war ich da noch nicht. Erst als der Check-in problemlos lief und wir auf der anderen Seite der Security waren, habe ich auch innerlich mein Ticket nach Norwegen gelöst. Mit dem Flugzeugstart drückten sich  mein Körper und meine Gedanken zum Alltag fest in den Sitz. Die Gedanken blieben drin und mein Reise-Urlaubs-Wanderer-Forscher-Geniesser-Körper löste sich voller Vorfreude wieder ab. Yeah!

Die Tour war nur zum Teil durchgeplant. Ich hatte jedenfalls eine ganz gute Vorstellung von den ersten 5 Tagen in denen auch die Wanderung stattfinden sollte. Danach wollte ich es unserer Lust und Laune überlassen, wie es weitergeht. Soweit Planung und Vorbereitung nötig waren, habe ich alle Vorkehrungen alleine getroffen. T. konnte sich also entspannt auf mich als Guide verlassen. Vielleicht hätte ich ihn aber doch etwas mehr in meine Reiseplanung vorbereiten sollen. Denn als wir im Flugzeug das ausländische Geld bestaunen wollten, fiel auf, dass er sich schön mit dänischen Kronen eingedeckt hat! Stellt euch an dieser Stelle einen minutenlangen Lachflash vor! Eine Reise sollte man IMMER mit einem Lächeln im Gesicht beginnen.

Ankunft in Torp (das ist das Düsseldorf von Oslo), Bus nach Oslo erwischt, 2 Stunden Fahrt, am Bahnhof kichernd Geld gewechselt, Hostel im Reiseguide ausgewählt, hingelaufen, eingecheckt. Schuhe aus, einatmen, ausatmen, Schuhe an und raus ins Getümmel…

Foto: Klaudia Pirc / aufgenommen in Bergen, Norwegen // CC BY-SA

Alle Beiträge dieser Norwegen-Reise:

Reisen til Norge
Ins Land der exzentrischen Os
Musik liegt in der Luft
Hinter den sieben Bergen

Dieser Artikel ist ursprünglich am 28. Juli 2009 auf meinem Blog knospenspringen erschienen.
Mehr

Reisen til Norge

Meine Norwegen-Tour steht kurz bevor. Am Samstag fliege ich nach Oslo, am Sonntag sitze ich in der Bergenbahn nach Finse und dann geht’s auf Schusters Rappen Richtung Aurlandsfjord.

[Foto von *saipal bei Flickr]

In fünf Tagen oder so. “Oder so”, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob das in der Zeit klappt. Theoretisch ja, aber praktisch ist das unsicher, denn:

  • ich bin noch nie fünf Tage hintereinander gewandert
  • die Strecke ist mir völlig unbekannt
  • das Wetter soll regnerisch sein
  • ich muss bis Samstag lernen einen Kompass zu bedienen (muss ich?)
  • ich werde selten, wenn überhaupt Netzempfang haben
  • ich könnte bei der schönen Landschaft alles um mich herum vergessen, die Orientierung verlieren und mich daher einer Lemmingwanderung anschliesssen und dann.. ihr wisst schon

Das schreckt mich natürlich alles nicht ab. Ich habe zwar noch nie soviele Reisevorbereitungen, wie für diese Tour, getroffen, habe mich aber auch noch nie in so eine menschenleere Gegend begeben. Vorsichtshalber mache ich die Wanderung diesmal nicht allein, auch wenn mir danach wäre. Ich könnte tagelange zwischenmenschliche Kommunikationsabstinenz ganz gut vertragen. Mein Begleiter ist ein wandererfahrener Freund, der zudem auch noch Krankenpfleger, also eine ganz gute Partie ist.

Übrigens: ich werde nicht niemals in einem Fjord schwimmen! Um eine amouröse Punktlandung zu machen, habe ich mich mal kurzzeitig mit Fjorden beschäftigt. Ja, ich wollte mit Wissen überzeugen. Heute weiß ich, dass das nur ganz bedingt funktioniert. Ich weiß jetzt aber auch, dass ein Fjord kein Ententeich ist und dass ich wahrscheinlich eher im Amazonas schwimmen würde, auch wenn ich das auch schon mal als undenkbar bezeichnet habe.

Ich übersetze jetzt noch Rüdiger Nehbergs überlebenswichtige Vokabelliste ins Norwegische. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Alle Beiträge dieser Norwegen-Reise:

Reisen til Norge
Ins Land der exzentrischen Os
Musik liegt in der Luft
Hinter den sieben Bergen

Dieser Artikel ist ursprünglich am 8. Juli 2009 auf meinem Blog knospenspringen erschienen.
Mehr