Vergiss das Brandenburger Tor!
Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben! Das stimmt schon, nur den Urlaubsbildern von Städtereisenden sind diese Erlebnisse oft nicht anzumerken. ”Oh, Eifelturm!” -knipps. “Ah, endlich, das Brandenburger Tor gefunden!” – knipps. “Hehe, der schiefe Turm von Pisa! Da lasse ich mir doch ein lustiges Perspektivenspiel einfallen…”- knipps.
Und dann schaut man sich irgendwann die 4GB Fotos an und denkt sich “Joah, da war ich am Brandenburger Tor, da habe ich den Eifelturm geknippst und, ach ja, hihi da habe ich so getan, als würde ich den schiefen Turm von Pisa stützen.” Gähn.
Ich gebe ja zu, dass ich auch schon das Brandenburger Tor geknippst habe. Und auch sonst ein paar Sehenswürdigkeiten, die halt jeder so fotografisch festhalten möchten. Nur möchte sie kaum jemand wirklich sehen. Ich meine, es gibt ja eine unzählbare Menge an Eifelturm-Fotos. Jeder weiß, wie der aussieht, auch wen man noch nie dort gewesen ist.
Deswegen möchte ich dazu anregen, eine Stadt vielleicht mal auf eine andere Weise fotografisch zu erkunden. Zum Beispiel kann man sich ein Farbthema vornehmen und Blaues in Paris fotografieren oder Rotes in Tokyo. Oder Menschen auf Brücken in Hamburg. Oder Kreuzungen in Venedig. Natürlich fehlt dann eventuell die ein oder andere Sehenswürdigkeit, aber oft genug findet man interessante Motive in der Peripherie dieser Touristenmagneten und entdeckt ganz nebenbei mysteriöse Hinterhöfe, eine Kneipe, die meist nur von Leuten aus dem Viertel besucht wird, einen kleinen schönen Park, trifft jemanden, der einem hilft zurückzufinden, wenn man sich verlaufen hat…


Ich habe das in Berlin versucht. Dort wollte ich in der Stadt alle Zahlen von 1 bis 42 fotografieren. Ich weiß natürlich, dass es sehr speziell ist, sich Zahlen zum Motiv zu wählen und dass dem nicht jeder was abgewinnen kann. Für mich als Berlin-Touristen, war es aber eine spannende und abwechslungsreiche Fototour. Alle Fotos “Berlin 42″ findet ihr auf flickr.
Was macht ihr, damit euch beim Fotografieren von zukünftigen Urlaubserinnerungen nicht langweilig wird?


[Fotos: Klaudia Pirc]
MehrTravelling Agent, ich packe meinen Koffer
Travelling Agent. C’est moi!
Seit vielen Jahren bewege ich mich im Internet. Und ich liebe es! Es bringt mich überall hin, verbindet mich mit Menschen. Ich kann lernen, meinen Horizont erweitern und selbst Wissen weitergeben. Wie im Internet kann ich das auch in 3D und mit festem Boden unter den Füssen tun. Ich kann mich in der Welt bewegen, reisen, Menschen treffen, lernen, meinen Horizont erweitern und Wissen weitergeben.
Als Travelling Agent verbinde ich beide Welten. Ich reise, nutze Social Media Werkzeuge, Mund, Kopf und Hände. Ich coache Tourismusunternehmen und mache sie fit für die Online-Kommunikation. Ich dokumentiere Reisen, erzähle Geschichten, recherchiere on- und offline. Für mich selbst und für Kunden.
Das ist der Beginn eines Blogs und der Beginn meiner etwas veränderten beruflichen Ausrichtung. Mit der Agentur Kulturwerkzeug zusammen mit meiner Kollegin Janine Flocke betreuen wir Unternehmen aus Kultur, Bildung und Tourismus. “Travelling Agent” ist ein in Kulturwerkzeug eingebettetes Projekt mit ganz klar touristischem Schwerpunkt.
Aufträge in folgenden Bereichen sind mir herzlich Willkommen:
- Social Media Tourbegleitung (Twitter, Facebook, Videos, Fotos, Blogbeiträge, Interviews)
- Liveberichterstattung
- Destinationsberichte
- Redaktion & technische Umsetzung
- Social Media Workshops für Tourguides und Mitarbeiter (deutsch/englisch)
- Social Media Konzeption und Strategieentwicklung
Dieses Blog hat beruflich und privat motivierte Beiträge. Meine Arbeit ist sowieso untrennbar mit meiner privaten Person verbunden. Es geht um Reiseberichte, Tipps, Tourismusmarketing, Interkulturalität, Kurioses und ja, um Reisefieber.
Also dann… ich packe meinen Koffer und nehme mit…. ein leidenschaftliches Herz, ein waches und ein neugieriges Auge, einen herzlichen Händedruck, zwei offene Ohren und leichte Beine.

[Foto von Hillary the mammal bei Flickr]
MehrReisen til Norge
Meine Norwegen-Tour steht kurz bevor. Am Samstag fliege ich nach Oslo, am Sonntag sitze ich in der Bergenbahn nach Finse und dann geht’s auf Schusters Rappen Richtung Aurlandsfjord.
[Foto von *saipal bei Flickr]
In fünf Tagen oder so. “Oder so”, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob das in der Zeit klappt. Theoretisch ja, aber praktisch ist das unsicher, denn:
- ich bin noch nie fünf Tage hintereinander gewandert
- die Strecke ist mir völlig unbekannt
- das Wetter soll regnerisch sein
- ich muss bis Samstag lernen einen Kompass zu bedienen (muss ich?)
- ich werde selten, wenn überhaupt Netzempfang haben
- ich könnte bei der schönen Landschaft alles um mich herum vergessen, die Orientierung verlieren und mich daher einer Lemmingwanderung anschliesssen und dann.. ihr wisst schon
Das schreckt mich natürlich alles nicht ab. Ich habe zwar noch nie soviele Reisevorbereitungen, wie für diese Tour, getroffen, habe mich aber auch noch nie in so eine menschenleere Gegend begeben. Vorsichtshalber mache ich die Wanderung diesmal nicht allein, auch wenn mir danach wäre. Ich könnte tagelange zwischenmenschliche Kommunikationsabstinenz ganz gut vertragen. Mein Begleiter ist ein wandererfahrener Freund, der zudem auch noch Krankenpfleger, also eine ganz gute Partie ist.
Übrigens: ich werde nicht niemals in einem Fjord schwimmen! Um eine amouröse Punktlandung zu machen, habe ich mich mal kurzzeitig mit Fjorden beschäftigt. Ja, ich wollte mit Wissen überzeugen. Heute weiß ich, dass das nur ganz bedingt funktioniert. Ich weiß jetzt aber auch, dass ein Fjord kein Ententeich ist und dass ich wahrscheinlich eher im Amazonas schwimmen würde, auch wenn ich das auch schon mal als undenkbar bezeichnet habe.
Ich übersetze jetzt noch Rüdiger Nehbergs überlebenswichtige Vokabelliste ins Norwegische. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.
Alle Beiträge dieser Norwegen-Reise:
Reisen til Norge
Ins Land der exzentrischen Os
Musik liegt in der Luft
Hinter den sieben Bergen
Schöne kleine Welt – Gedanken über Orientierung
Nie zuvor war der Mensch mit so unglaublich vielen Orientierungsgadgets ausgestattet wie heute. Und nie zuvor hat er sich so häufig in der Wildnis verirrt wie heute. Das ist zwar eine Behauptung, aber im Grunde ist das auch ganz einfach zu erklären. Wir gehen in die Natur, um zu wandern, einen Berg zu besteigen, die Antarktis zu durchqueren, einen Vulkan von innen zu erforschen oder den Niger von der Quelle bis zur Mündung in einem Paddelboot zu befahren. Wir wollen das am liebsten ganz allein machen, die Wildnis mit allen Sinnen spüren, an unsere (vermeintlichen) Grenzen gehen und uns und allen anderen beweisen, dass wir ziemlich tough sind und mit dem besten Orientierungssinn seit Menschengedenken ausgestattet sind.
Wir legen also unser GPS-Gerät ums Handgelenk, das Handy in den Rucksack und legen dazu vorsichtshalber noch ein Satellitentelefon. Und los geht’s. Wir haben alles im Griff, die Welt im Handgepäck und am Handgelenk. Kontrolliertes Abenteuer. Und dann?

Foto: Klaudia Pirc // aufgenommen bei Rimske Toplice, Slowenien // CC BY-SA
Ja, dann bleibt unser Handgelenk-GPS bei einem unvorhergesehenen (natürlich) Sturz über einen rutschigen Abhang irgendwo in den Sträuchern hängen. Wir klettern wieder hoch, suchen stundenlang und finden es nicht wieder. Das Satellitentelefon ist beim Sturz in seine Einzelteile zerfallen und mitten im Niemandsland gibt es keinen Netzempfang. Die vorsichtshalber mitgenommene Landkarte ist in einem viel zu hohen Maßstab, denn eigentlich brauchten wir sie ja gar nicht. Und einen Kompass haben wir gar nicht erst mitgenommen. Die schöne kleine Welt ist plötzlich riesig. Wir haben keine Ahnung von Sternkonstellationen und wie man daraus bei Nacht die Himmelsrichtungen erkennt, “Nie-ohne-Seife-Waschen” hilft uns am Tag auch nicht weiter, mit Wolkenformationen können wir nichts anfangen und Wanderbewegungen von Tieren haben wir als Metropolenbewohner auch nie zu deuten gelernt. Wir sind orientierungslos.
Ok, der professionelle Abenteurer hat seine Erfahrungen gemacht und wird sich nicht völlig dem trügerischen Komfort technischer Errungenschaften ausliefern. Einem unerfahrenen und naiven Naturabenteurer wie mir, könnte so was aber ganz leicht passieren. Meine (kurze) Wanderung durch Norwegen werde ich relativ old school machen. Mein Handy nehme ich mit. Ich werde es aber voraussichtlich nicht nutzen können, abgesehen davon, dass es mir bei der Orientierung auch nichts nutzen kann. Wanderkarte und Kompass müssen genügen. Da es sich um eine angeblich gut beschilderte Wanderroute handelt, ist das Risiko, mich zu verirren, extrem gering. Beim nächsten Mal bin ich dann mutiger / übermütiger. Und vielleicht habe ich es bis dahin auch mit den Sternen raus.
Damals, als ich noch Heidi war, bin ich mich mit Freude in die riesigen Maisfelder meiner Oma gestürzt. Ganz tief rein, sodass ich nur aus weiter Entfernung die energischen Rufe meiner Oma hören konnte. Damals hatte ich vor Orientierungslosigkeit keine Angst.







